Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn e.V.

Feinstaub: ein abstraktes Übel. Aber es geht noch schlimmer

Feinstaub – ist die Diskussion um diese winzigen Teilchen nicht völlig überzogen? Staub gab es schließlich schon immer. Die Botschaft, dass jährlich 800.000 Menschen durch die Wirkung von Feinstaub frühzeitig zu Tode kommen, wirkt irgendwie steril, dem Reinraum-Labor entsprungen, unecht. 800.000 Menschen, das sind genau 1 Prozent von den 80 Millionen Menschen unseres Landes. Hat da irgendwer ein spitzfindiges Rechenmodell gebastelt? Menschen sterben an Krankheiten, an Altersgebrechen, durch Unfälle. Staub gab es schon immer, er ist überall, gröber und feiner. Sowas bringt doch keinen Menschen um.

Was der Kopf nicht wissen will

Oh doch. In seiner feinen Form ist er gefährlicher als Kohlendioxid, Methan oder Stickoxide. Feinstaub toppt die Gefahr durch Treibhausgase um Längen. Unser Körper weiß das, deswegen reagiert er mit Husten, wenn wir mit unseren Sinnen noch keine Gefahr erkennen. Ziehen Sie als Nichtraucher mal an einer Zigarette; sie werden sehen, was ich meine. All die feinen Partikel lehnt Ihre Lunge mit Nachdruck ab. Macht kurzen Prozess und schickt das Zeug auf schnellstem Weg wieder nach draußen.
Rein technisch gesehen feuert beim Einatmen feinster Staubpartikel wie Zigarettenrauch ein wirksamer Abwehrmechanismus: Die feinen Rauchpartikel gelangen auf die Flimmerhaare der Bronchien. Diese Härchen lassen zwar sehr niedrige Partikelkonzentrationen durch, aber irgendwann kommt es ihnen einfach zu dicke. Ihr Nervensystem erhält ein Signal, es funkt den Muskeln Ihrer Bauchdecke wiederum zu, dass es Zeit für eine heftige Abwehr ist. Sie zieht sich zusammen und befördert so den Dreck aus der Lunge schnell und heftig wieder raus.

Die Bronchien haben den schärfsten Blick

Solange Feinstaub als Dreck erkannt wird, ist unser Körper auf der sicheren Seite. Rauchschwaden sehen wir mit bloßem Auge, in dieser dichten Konzentration erkennen wir Feinstaub tatsächlich, auch wenn die „Korngröße“ des einzelnen Partikels unserer Wahrnehmung verborgen bleibt. Wir halten die Luft an, wenden uns ab, bewegen uns aus der Gefahrenzone hinaus. Unsere Bronchen können da mehr als unsere Augen, aber auch ihre Wahrnehmung ist begrenzt. Ist die Konzentration niedriger, geben die Flimmerhaare Ihrer Bronchien grünes Licht. Die eingeatmete Luft darf bleiben, bekommt Zutritt in die heiligen Hallen Ihrer Lunge. Mit der Zeit kann sich also ganz langsam, still und leise dort so einiges an feinen Stäuben ansammeln, die Lungenbläschen verstopfen und tiefes Atmen wird mit der Zeit immer schwerer, dauerhafte Lungenschäden stellen sich ein. Deswegen gibt es Feinstaub-Grenzwerte, deswegen ist es so wichtig, sie einzuhalten.
Die gute Nachricht: Ihre Lungenbläschen nehmen zwar Schaden, schirmen aber den Rest Ihres Körpers ab. Organe, Blutgefäße und Gehirn haben keine Ahnung, was für einen Gefallen ihnen die Kollegen aus der Lunge tun. Sie bleiben gesund, der Feinstaub kann ihnen nichts anhaben. Vorerst zumindest. Denn es kommt aber noch dicker. Genau gesagt: schlimmer, weil feiner.

Ultrafeinstaub: Ignorieren ist keine Lösung

Ultrafeinstäube nennt man extrem feine Partikel, deren Größe bei etwa 0,1 Mikrometer liegt. Anders gesagt: 10.000 dicht nebeneinander aufgereihte Körnchen ergeben eine Kette von 1 Millimeter Länge. Oder nochmal anders: Wenn ein normales vorbeifliegendes Staubpartikel die Größe und Wucht eines Felsbrockens hätte, träfe ein Körnchen Feinstaub Sie mit der Wucht eines Fußballs oder eines Tennisballs, je nach Größe. Ultrafeinstaub käme dann gerade mal auf die Größe eines Stecknadelkopfes.
Ultrafeinstaub-Partikel sind so winzig, dass sie von den Lungenbläschen nicht zurückgehalten werden können. In Versuchen wurden sie schon in den Gehirnen von Mäusen nachgewiesen. Das gibt eine Idee davon, was da noch auf uns zukommt. Welche Last unsere Organe, unser Blut noch werden tragen müssen, welches Erbe nachfolgende Generationen werden verkraften müssen. Diese feinen Partikel fliegen derzeit noch unter dem Radar der Umweltbehörden. Sei sind so klein, dass ihre Messung der Feinstaubstatistik entzogen bleibt. Doch Schaden richten sie in unseren Körpern schon heute an.

Und was hat das alles mit dem Fliegen zu tun?

Umgerechnet auf einen Reisenden liegt die Feinstaubbelastung pro Flugreisekilometer gleichauf mit der des Autoverkehrs (Quelle: www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/emissionsdaten#verkehrsmittelvergleich_personenverkehr). Sie ist die höchste unter allen Verkehrsmitteln, wurde aber bislang immer vernachlässigt. Dabei ist der Schadstoffeintrag von Kerosin dem von Fahrzeugtreibstoffen sehr nahe verwandt. Erste Messungen zeigen, dass allein beim Landen eines Flugzeuges zehntausende Ultrafeinstaub-Partikel in die Luft an Bodennähe gelangen. Während des Fluges verteilen sie sich in den höheren Luftschichten und gefährden die Gesundheit von Menschen weitab der Flughäfen, von Viel- und Nichtfliegenden. Verpesten unsere Atemluft, stetig und unausweichlich. Und jetzt?

Autorin: Rita Seidel, Königswinter

Mehr dazu: www.zeit.de/2017/18/feinstaub-grenzwerte-belastung-medizin-land-luftverkehr/

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Interessante Links

Bundesvereinigung gegen Fluglärm BVF
www.fluglaerm.de

Deutsche Flugsicherung DFS
www.dfs.de

Deutscher Fluglärmdienst DFLD
www.dfld.de

Stadt Hennef, vorbildliche Informationen über Fluglärm
www.hennef.de

Stadt Siegburg – viele weiterführende Informationen insbesondere auch zum Gesundheitsschutz
www.siegburg.de

Fluglärmschutzgemeinschaft Siebengebirge www.nachtflugverbot.de

Impressionen zur Demo 2012:

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